Art Toys - Designer Toys

So genannte Art Toys oder auch Designer Toys sind ein Phänomen, dem man seit ein paar Jahren immer öfter begegnet: Kleine bis mittelgrosse Figuren aus Vinyl oder Kunststoff, mit oder ohne textile Bekleidung. In den Metropolen dieser Welt findet man Geschäfte, die ausschliesslich Designer Toys verkaufen. Auch in vielen gut sortierten Streetwear- und Lifestyle-Boutiquen wie etwa Colette, Maharishi Store oder Star Cow stehen Designer Toys in den Regalen, im Internet sind mannigfach Websites und Foren zum Thema zu finden und auf eBay wird rege mit Toys gehandelt. Künstler, Designer und Grafiker aus aller Welt kreieren eigene Toys, zuweilen auch im Auftrag grosser Labels wie Nike, Stussy oder Carhartt. Von den einen als Staubfänger verschrien werden sie von anderen leidenschaftlich gesammelt.

Was genau sind also Art Toys und wieso der ganze Hype?

Natürlich gab es immer schon Spielzeug-Sammler. Ob japanische Krieger-Figuren, Porzellan-Puppen, Autos oder Blechspielsachen – gesammelt wird alles. Wurden diese Spielsachen früher hauptsächlich der handwerklichen Kunst wegen gesammelt, ist bei den Art Toys entscheidend, von welchem Künstler sie geschaffen worden sind.

Im Mittelpunkt dieser «Toys-Szene» stehen zwei Designer aus Hong Kong, Michael Lau und Eric So. Eine internationale Sammler-Gemeinde ist verrückt nach den Figuren der beiden, und zum ersten Mal spielt es wohl gar keine Rolle mehr, wie die Produkte letztlich aussehen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist wohl, dass beide, sowohl Michael Lau wie auch Eric So, eigentlich arrivierte Künstler und nicht Spielzeughersteller sind. Sie brachten es zustande, ihre abgefahrene Kunst in der Toys-Welt anzusiedeln – was ziemlich neu und ziemlich cool war.

Wie also sehen Lau’s und So’s Figuren aus?

Beide Künstler arbeiten an verschiedenen Produktelinien und mit verschiedenen Herstellern. Generell aber kann man zwei verschiedene Figurentypen unterscheiden: realistische, detailgetreue Puppen und kreativ deformierte Vinyl-Figuren. Eine äusserst wichtige Besonderheit ist zudem, dass Figuren von Lau und So stets die angesagtesten Klamotten tragen, sich also so kleiden wie das «coole» Leute von heute tun: Boomboxes, Turnschuhe, Tatoos und Piercings, Labels wie Bape, Supreme, Stussy, Nike oder Maharishi. Die Verwurzelung dieser Figuren mit der Modewelt ist entsprechend stark. Oftmals sind die Firmen direkt an der Entstehung von Figuren beteiligt. Michael Lau und Eric So arbeiten unabhängig von einander, doch sie sind sich stilistisch sehr ähnlich.

Lau war ein erfolgreicher Maler, als er mit dem Comicstrip «Gardener» begann. Seine ersten Figuren waren denn auch die «Gardeners», detailreiche Charaktere aus seinen Comicstrips. Es folgten die «Crazy Children», kunstvoll deformierte Vinyl-Figuren.

Eric So ist Art Director und Kurator. Er wurde vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Sprite und dem gemeinsamen Projekt «Soul 4 Scream» und mit «Black Box Man» bekannt. Diese Produkte wurden exklusiv in zwei Hongkonger Modeboutiquen verkauft. Eric So produziert immer wieder Figuren von berühmten Hong Konger Filmstars wie Sam Lee oder Bruce Lee.

Es liegt nahe zu vermuten, das Talent der beiden sei zu wissen was cool ist. Zeitschriften, Editoren, Trendscouts und Brandmanagers auf der ganzen Welt suchen nichts anderes als das Trendige, das Coole. Coolness in einen Toy Charakter umzusetzen, verlangt noch einiges mehr. Es ist falsch zu sagen, die Figuren von Lau oder So seien Wunder der Skulpturkunst - wir sprechen hier von zeitgenössischer Kunst. Niemand bemängelt Pollock oder Warhols Maltechnik.

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Es wird also spannend sein, zu sehen, wie sich der Status dieser Toys im Laufe der Zeit verändern wird. Designer Toys sind nicht unglaublich teuer. Da sie nur in limitierter Auflage produziert werden, bieten sie Sammlern die Möglichkeit, auch Geld damit zu verdienen.

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Hong Kong mit seiner alljährlichen Toycon Messe ist sicherlich eine Hochburg der Toy Kultur. Nur in Japan findet man mehrstöckige Warenhäuser, die ausschliesslich Designer Toys führen. Langsam regen sich aber überall die Findigen und beginnen ihre Toys zu produzieren.

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Hier ein kleiner Überblick über die wichtigsten Toys und ihre Designer:

Medicom Kubrick und Be@rbricks (JP)

Aufgrund der grossen Nachfrage nach Lego und Playmobil produzierte der japanische Spielzeug Hersteller Medicom Toys 1999 die ersten Kubrick Figuren. Kubrick ist japanisch und bedeutet «9 Bausteine». Aus so vielen Teilen besteht ein Kubrick. Die 4 inch grossen Figuren ähneln Playmobil Figuren und sind hauptsächlich berühmten Charakteren aus Film und Fernsehen nachempfunden. Kubrick Serien werden auch nur in limitierten Auflagen produziert. Sie werden meist in Boxen zu 24 Stück ausgeliefert. Jede Serie besteht aus verschiedenen Figuren. Die einzelnen Figuren sind in kleine, blickdichte Kartonschachteln verpackt, welche man erst nach dem Kauf öffnen kann. So bleibt die Spannung gross, weil man erst beim Auspacken weiss, welchen Charakter man gekauft hat. Auf der Verpackung steht, wie gut die Chancen stehen, ein bestimmtes Modell zu kriegen. Wie bei den Fussballbildern werden auch hier nicht alle Figuren in gleich hoher Stückzahl produziert.

Klar ist, dass sich mit diesem System doppelte Figuren nicht vermeiden lassen und sich somit ein reger Tauschhandel entwickelt. Immer wieder werden aber auch offene Sets produziert. Beliebte Sets waren zum Beispiel: «Reservoir Dogs», «Terminator» (mit coolem Bike), «Andy Warhol» (inklusiv Plüschbanane) oder auch «Rocky».

Bearbrick sind nichts anderes als Kubricks mit einem runden Bauch und einem Bärenkopf. Bearbrick kauft man im Unterschied zu den Kubricks immer in blickdichten Verpackungen, und sie werden in noch limitierteren Serien als Kubricks produziert.

Toy2r Qee’s (wie Key ausgesprochen) (HK)

Die noch relativ junge Hong Konger Firma Toy2r ist der Hersteller der «Qee» Key Chain Kollektion. Anders als Medicom konzentriert sich die Firma vor allem auf Art Toys und arbeitet ausschliesslich mit Künstlern und Designern zusammen. Qees funktionieren nach dem selben Prinzip wie Be@rbricks. Grundsätzlich gibt es jeweils 4 verschiedene Formen, eine Katze, einen Hund, eine Maus und das Ei. Aber natürlich gibt es auch immer mal wieder spezielle Figuren. Toy2r (Toyer ausgesprochen) produzieren neben den Qees weitere Vinyl Figuren wie Knucklebears, Rolito oder Toyer.

Scary Girl (HK)

Scary Girl heisst die Welt, die der in Kanada lebende Australier Nathan Jurevicius erschaffen hat. Von Beruf Illustrator hat Jurevicius vor einigen Jahren angefangen, seine Figuren zu animieren. Später sind daraus in Zusammenarbeit mit der Hong Konger Toy Firma Flying Cat die ersten Vinyl Figuren entstanden. Scary Girl, Nathans Hauptcharakter, ist unheimlich und süss zugleich. Und so sind auch all die anderen Figuren in ihrer Welt. Die Figuren sind in sehr limitierten Auflagen entstanden. Scary Girl selber wurde nur 300 Mal produziert. Von Dr. Maybe gibt es auch nur 500 Stück.

Critterbox (USA)

In diesem Haus entstehen vor allem Toys, die Comixfiguren ähneln. Bekannte Comics Zeichner und Illustratoren wie Kaz, Gary Baseman, Tim Biskup und Dave Cooper haben mit Critterbox zusammen - einem der grösseren amerikanischen Toyshersteller - Vinylfiguren kreiert.

Tim Biskup

Der Stil des californischen Künstlers ist geprägt vom Design der 50er Jahre mit einer Prise Rock und Punk versehen. Arbeitete der Künstler zuerst nur auf Papier, hat sich sein Schaffen im Laufe der Zeit auf andere Medien ausgeweitet. Tims Bilder und Skulpturen sind äusserst rar, aber international bekannt. Im Jahre 2000 entstand in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern die Kleider Linie Gama Go.

Kozik

Der spanische Künstler Frank Kozik kommt ursprünglich aus der Posterkunst und inspirierte mit seinen ungewohnt farbigen Plakaten eine ganze Generation neuer Plakatmaler. Seine Arbeiten zieren Poster und Schallplatten-Covers vieler Rockbands wie Nirvana, Pearl Jam, The Red Hot Chilli Peppers und The Beastie Boys. Er verwendet bis zu 12 Farben für seine Plakate, welche meistens im Siebdruckverfahren hergestellt werden.

Gary Baseman

Gary Baseman ist Künstler, TV/Film Produzent (Teachers Pet), Illustrator, Toy Designer und dreifacher Emmy-Gewinner. Seine Bilder hängen im Museum of Modern Art in DC und Rom. Kaz Kaz, der unter anderem bei Art Spiegelman studiert hat, gehört sicher zu den grossen Comic Zeichnern. Seine Underworld Comic Strips wurden im «New Yorker», im «Washington Paper» und im «GQ» publiziert.

Pete Fowler - Monsterism (UK)

Monsterism ist eine Welt für sich. Bewohnt wird sie von komischen Wald-Figuren, den Woodlandbeasts. Der Erschaffer dieser Welt, ist auch der Illustrator aller Super Furry Animals Platten.

Kidrobot - Dunnys (USA)

Kidrobot ist die erste Adresse für Toys. Egal, ob in einem ihrer Shops in New York, San Francisco, Los Angeles oder auf ihrer website, man findet dort, was das Plastik Herz begehrt. Neben einem äusserst attraktiven E-Shop gibt es auf Kidrobot.com auch jede Menge Diskussionsforen zu Designer Toys, Herstellern usw.

Bei soviel Know How liegt es auf der Hand, dass die Jungs bei Kidrobot anfingen, ihre eigenen Toys zu produzieren. Entstanden ist eine ganze Serie von Projekten mit amerikanischen Graffiti Künstlern und Designern wie Kozik, Dalek, Tristan Eaton. Dunnys heissen die beliebten Minifiguren von Kidrobot, die nach dem Prinzip der Kubricks funktionieren.

Ugly Dolls (USA)

Ugly Dolls heissen Plüschpuppen aus Amerika. Ugly Dolls haben den Beweis erbracht, dass hässlich auch ganz süss sein kann. Kreiert wurden die Ugly Dolls vom Designer-Duo David Horvath und Sun-Min Kim. Sie gehören zusammen mit den Puppen von Scary Stories zu den berühmtesten Vertretern ihrer Art. In Wahrheit sind die Ugly Dolls eine Love Story. So war es jedenfalls für die beiden Künstler, die sie geschaffen haben. David Horvath und Sun-Min Kim lernten sich an der Parsons School of Design kennen. Nach dem Studium musste Sun-Min zurück nach Korea. David schrieb ihr glühende Liebesbriefe, alle signiert mit der Zeichnung eines kleinen und halbwegs hässlichen, dennoch aber liebenswerten Geschöpfs. Bald darauf hat Sun-Min die Zeichnung zum Leben erweckt und schickte ihrem David ein 3-D-Modell jenes Geschöpfs namens Wage. Die Idee der UGLY DOLLS war geboren. Jeder, der eine Ugly Doll haben möchte, soll sie sich auch leisten können. Es ist eine liebevoll handgemachte Puppe, weit entfernt von dem 100-Dollar-Einstiegspreis, der sonst für künstlerische Toys zu zahlen ist.

Friends with You (USA)

Diese Figuren sind wie die Ugly Dolls aus Plüsch. Ihre Macher behaupten, dass sie aus unendlich kleinen Mikrokosmen stammen. Natürlich wurden die Figuren millionenfach vergrössert, so dass sie für unser Auge sichtbar sind. Friends wohnen im Hirn direkt unter dem Teil, wo die Wünsche gemacht werden. Deshalb haben sie aussergewöhnliche Kräfte. Teilt man ihnen seine Wünsche mit, gehen sie in Erfüllung.

Gloomy Bear (JP)

Gloomy Bear ist ein weiterer Vertreter der Kategorie süsse Monster. Gloomy war ein kleiner süsser Bär, als Pity ihn fand. Zusammen verbrachten sie eine harmonische Zeit. Seither ist Gloomy ein grosser, starker Bär mit scharfen Krallen geworden .... Gloomy stammt aus der Feder des japanischen Designers Mori Chack. Seine äusserst sehenswerte Webseite chax.net ist voller Bilder aus der Gloomy Welt.

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